Ich bin Andreas Artmann. Ich arbeite an der Frage, wie wir wirtschaften — und warum es so schwierig ist, sich vorbehaltlos und angstfrei darüber auszutauschen.
Mein Zugang ist kein akademischer. Ich habe Jahre im Umzugsgewerbe gearbeitet, als Franchisenehmer bei einem der damals größten Umzugsunternehmen Europas. Ich habe erlebt, wie Märkte funktionieren — und wie sie manipuliert werden. Wie Ausschreibungen als Wettbewerb inszeniert werden, obwohl das Ergebnis längst feststeht. Wie Menschen in Systemen handeln, die sie selbst für falsch halten, weil die finanzielle Abhängigkeit größer ist als ihr Urteil.
Diese Erfahrungen haben mich nicht desillusioniert. Sie haben mich neugierig gemacht. Was genau passiert da? Welche Mechanismen stecken dahinter? Und warum sehen wir sie nicht?
Aus dieser Neugier ist über Jahre ein Feld entstanden, das ich Geldbewusstsein nenne: die Fähigkeit, Geld nicht einfach als Selbstverständlichkeit hinzunehmen, sondern als das zu sehen, was es ist — ein historisch gewachsenes, politisch geformtes Koordinationssystem mit bestimmten Stärken und bestimmten blinden Flecken.
Daneben gibt es einen anderen Zugang — einen, der nicht durch Analyse funktioniert. Ich komme aus dem autistischen Spektrum: lange war Denken fast mein einziger Kanal. Die Kunst hat mir den Weg in einen anderen Raum geöffnet — den Raum des Nichtdenkens.
Nicht: Ich stelle mich in Frage.
Sondern: Ich stelle mich in die Frage.
Improvisation, Intentionslosigkeit, das Offenlassen von Ergebnis — das sind für mich keine künstlerischen Randphänomene, sondern eine eigene Erkenntnisquelle. Texte, Musik, Gedichte, Fundstücke: ein Spielfeld, auf dem sich manchmal zeigt, was analytisches Denken nicht erreicht.
Wirklabor Wirschaffen ist mein Versuch, das, was ich gelernt habe, in Formate zu bringen: Texte, Gespräche, Begegnungsräume.
Dabei leiten mich zwei Überzeugungen, die ich dem Hirnforscher Gerald Hüther verdanke.
1. Menschen sind Subjekte — keine Zielgruppen.
Überall, wo jemand andere aufklären, überzeugen oder belehren will, werden Menschen zu Objekten. Das verletzt zwei Grundbedürfnisse, die jeder Mensch mitbringt: Verbundenheit und Autonomie.
Wer Wandel als Überzeugungsprojekt betreibt, wiederholt die Logik, die er kritisiert. Ich versuche stattdessen, Räume für subjektiven Austausch zu schaffen: Gespräche, in denen jeder die eigene Erfahrung einbringt — und in denen niemand das Ergebnis vorher kennt.
2. Einladen statt überzeugen.
„Du kannst keinen anderen Menschen verändern. Du kannst ihn nur einladen."
Einladen heißt: die eigene Begeisterung teilen, ohne Druck. Auf Möglichkeiten hinweisen, ohne zu fordern. Den anderen als jemanden wahrnehmen, der seine eigenen Schlüsse zieht.
Nicht: Wie überzeuge ich die Menschen? Sondern: Wie schaffe ich Räume, in denen Menschen selbst erleben können, dass es anders geht?
Wer hierher findet, hat oft schon lange eine Frage — eine, für die es noch keinen Raum gab.
Das ist kein Zufall.
Geld gehört zu den Themen, über die Menschen selten offen sprechen: zu persönlich, zu politisch, zu groß. Und gleichzeitig: zu allgegenwärtig, um es zu ignorieren.
Ich glaube, dass das offene Gespräch selbst der erste Schritt ist. Nicht die richtige Meinung, nicht das vollständige Bild — das Gespräch.
Ein Raum, in dem die eigene Erfahrung zählt und niemand zuerst überzeugt sein muss.
Wenn Du hier bist, bist Du wahrscheinlich schon unterwegs. Und ab nun nicht mehr alleine!
Kontakt: aartmann@posteo.de